Bundesverband Tierschutz e.V., Hamburg, 24. Oktober 2025. In den Hamburger Schulen geht nächste Woche nach den Herbstferien der Unterricht wieder los. Viele Ganzbetreuungen, die inzwischen von Schulen flächendeckend umgesetzt werden, bieten in den unterrichtsfreien Zeiten Ferienprogramme für Mädchen und Jungen an.
Für den 24. Oktober hatte die Finkenau-Stiftung, ein großer Träger von Kitas und Ganztagsbetreuungen, unsere Tierschutzlehrerinnen eingeladen, um 20 (Vor)Schülern zwischen 5 und 11 Jahren Tierthemen nahezubringen. Der Schwerpunkt sollte auf den Wildtieren liegen bzw. ihrem Verhalten im Herbst und im Winter.
Wie immer, wenn es um tierische Lerninhalte geht, sind die Kinder schon zu Unterrichtsbeginn schwer begeistert: Einige bringen umfangreiches Wissen mit, engagieren sich zum Beispiel in der NABU-Jugend und sind im Detail über Tierarten und ihre Bedrohung informiert, während andere zwar ohne Vorkenntnisse kommen, dafür aber mit großem Interesse.
BVT-Geschäftsführerin Sandra Barfels und ihre Kollegin Ronja Sievers begannen die zwei Stunden mit einem Sitzkreis. Weil es sich nicht um eine schulische Unterrichtseinheit, sondern um ein Ferienprogramm handelte, sollte der Lerninhalt mit seiner thematischen Bandbreite „spielerisch“ vermittelt werden.
Eine Ampel in der Mitte des Sitzkreises fordert die Fünf- bis Elfjährigen auf, mittels vorbereiteten Wildkarten auf die Faktoren hinzuweisen, die Wildtieren und ihrem Lebensumfeld, dem Wald, zu schaffen machen. Gehört die Rodung des Waldes in den roten, also kritischen, Bereich? Und wohin sind die Drohnen einzuordnen, die immer häufiger über heimischen Wäldern fliegen? Der Sinn von Warnschildern im Wald wurde erörtert, um die 17 Kinder, drei waren erkrankt, für verantwortungsvolles Verhalten im Wald zu sensibilisieren.
Für den nächsten Schritt hatten die beiden Tierschutzlehrerinnen verschiedene Stationen in dem großen Raum aufgebaut, die die unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen der Mädchen und Jungen ansprechen sollten. So ging es an einer Station darum, das detailgetreue Zeichnen von Tieren zu erlernen, an einer anderen die Fußspuren von Tieren im Wald zu erkennen. Stammt dieser Abdruck von einem Reh oder doch von einem Frischling?
Mit Knete konnten die Kinder über die Vorlage der naturgetreuen Schleichtiere Tierspuren selbst nachbauen – ein wichtiges pädagogisches Instrument, denn die Aneignung von Lerninhalten über die eigene Kreativität macht Schüler sehr stolz. Über den künstlerisch-kreativen Zugang ist es dann auch möglich, Themen anzusprechen, die im Frontalunterricht eher schwierig wären. Dazu gehört zum Beispiel die in der Öffentlichkeit hitzig geführte Debatte um den Abschuss von Wölfen. Kinder, deren Eltern (betroffene) Landwirte sind, werden dieses Thema anders beurteilen als Stadtkinder, die Wölfe nur aus Märchen kennen.
An einer weiteren Station gab es Tierfossilien zu begutachten, ihre Zähne und die spezifische Schädelform. Dass einige Tierschädel tatsächlich Ähnlichkeiten mit dem menschlichen Schädel aufwiesen, faszinierte die Gruppe ungemein.
Anhand von Jengafiguren, die jeweils für eine Tier- und Pflanzenart standen, wurde das Ökosystem veranschaulicht. Je mehr Gengarfiguren das Spiel verließen, desto fragiler das Ökosystem, so die Aussage. Jede Pflanze und jedes Tier hat seine einzigartige Bedeutung im Ökosystem – und jedes Wegbrechen und Aussterben einer Art schädigt die belebte Umwelt, das verstanden alle teilnehmenden Schüler sofort.
Die Kindergruppe konnte sich an Legekreisen zu den Themen Wildtiere und Wald beteiligen, Wildtierarten zuordnen und staunen, wie Tiere den Winter überstehen. Halten alle Tiere Winterschlaf wie der Igel? Und was passiert, wenn man mit seinen Gummistiefeln in einen Laubhaufen springt und vielleicht dort die Winterruhe eines Tieres stört? Und was ist mit dem Eislaufen auf zugefrorenen Wasserflächen? Werden die Fische und Kleinstlebewesen so nachhaltig gestört, dass sie ihre Energiereserven für die Wintermonate zu früh verbrauchen?
Mit diesen Fragen, die über ein Erzähltheater und Bildkarten anschaulich dargestellt wurden, endeten die zwei Stunden.
Die Finkenau-Stiftung wünscht sich, dass der Tierschutzunterricht fortgesetzt wird. Wir freuen uns und haben begeistert zugesagt.