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Die Tragödie um den gestrandeten Buckelwal

Die Tragödie um den gestrandeten Buckelwal

Unsere FAQs

Seit dem 23. März bewegt das Schicksal des geschwächten Buckelwals die Menschen. Drei Mal gelang es dem 12 Tonnen schweren Meeressäuger sich von den Sandbänken in der Ostsee (Niendorf, Lübecker Bucht, Insel Walfisch) freizuschwimmen, doch nun liegt er seit Tagen vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern fest.

Mit Schwimmbaggern wurde versucht, den Buckelwahl zum Schwimmen in tiefere Gewässer und Richtung Nordsee zu bewegen. Was den jungen Buckelwal in die zu flachen und salzarmen Gewässer der Ostsee führte, bleibt Spekulation – trotz angereister und sich einschaltender Experten.

Mit dem ersten Tag seines Festliegens vor Niendorf (Schleswig-Holstein) hatten sich Tierärzte, Meeresbiologen, Walforscher, Freiwillige Feuerwehr, Küstenwache, Wasserschutzpolizei und Meeresschützer, Fischer, kommunale und überregionale Politiker ausgetauscht, wie man dem 12 Meter langen und 3 Meter breiten Tier helfen könne.

Alle Rettungsversuche, ihn mit Baggern zum Schwimmen zu motivieren, scheiterten. Fachleute beurteilen seinen Gesundheitszustand aus mehreren Gründen als sehr besorgniserregend und rechnen mit seinem baldigen Tod.

Die Gründe:

  • Sobald ein Wal in zu flachem Wasser liegt, drückt sein enormes Eigengewicht auf die inneren Organe
  • Jede Intervention – menschliche Annäherung, Bagger- und Bootsgeräusche, Berührungen – bedeuten für den Meeressäuger massiven Stress
  • Der geringe Salzgehalt in der Ostsee hat die Haut des Tieres schwer geschädigt und sie einreißen lassen
  • Der Wal hat sichtbar Fischernetze aus dem Maul hängen und vermutlich weitere im Körperinneren.

 Weitere Rettungsversuche wurden Anfang April eingestellt, um den Meeressäuger „in Ruhe“ sterben zu lassen, was schwer vorstellbar ist. Denn seit dem 24. März zieht der Buckelwal Timmy Menschen mit unterschiedlichsten Motivationen an. Während die einen voller Empathie und Mitleid sind, stellen die anderen alle bisher Beteiligten an den Pranger, werfen ihnen unterlassene Hilfeleistung und vieles mehr vor. Eilanträge, die sieben Privatpersonen und ein Verein beim Verwaltungsgericht Schwerin für weitere durchzuführende Rettungsmaßnahmen eingereicht hatten, scheiterten. 

Auch wir verfolgen das Geschehen um den Buckelwal mit großer Anteilnahme. Doch sind wir uns der Grenzen unserer Hilfsmöglichkeiten bewusst! Wir sind als Bundesverband Tierschutz e.V. keine Meeresbiologen, Experten für Buckelwale oder andere Meeressäuger.

Was wir uns für das sterbende Tier wünschen, ist Stille und Ruhe. Der Buckelwal ist mit dem Lärm der Bagger, Dieselmotoren, Drohnen, Motorbooten und Menschen konfrontiert worden – wer kann sagen, ob sein mehrfaches Stranden auf Sandbänken nicht bereits Ausdruck einer hochgradigen Schwächung ist? Wissen wir, ob die verschluckten Netze nicht seine Organe so schwer geschädigt haben, dass er zu erschöpft zum Freischwimmen ist?

 

Fragen und Antworten - unsere FAQS

Woraus schließen Experten, dass es dem Buckelwahl vor der Insel Poel aktuell immer schlechter geht?

  • Die Atembewegungen des Wals sollen laut Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern deutlich schwächer geworden sein
  • Außerdem wurde eine veränderte Atemtechnik, eine auffällige „Zwischenatmung“ beobachtet
  • Der Buckelwal reagiert nicht auf Mobilisierungsversuche, die mit Unterwasser-Aufnahmen seiner eigenen Gesänge gestartet wurden
  • Der Meeressäuger liegt reglos in einer flachen Mulde, sein Rücken ragt 40 Zentimeter aus dem Wasser
  • Das viermalige Stranden des Buckelwals wird in einem Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) als Indiz für ein tiefgreifendes gesundheitliches Problem angesehen
  • Experten gehen davon aus, dass dem Wal selbst bei steigendem Wasserspiegel inzwischen die Kraft und Konstitution zum Fortschwimmen fehlen würde.

 

Trägt das Fischernetz im Maul des Buckelwals zu seinem lebensbedrohlichen Zustand bei?

Ja. Experten bezeichnen Netze, die Meeressäuger beim Aufnehmen von Nahrung im Wasser mit „einsammeln“, als Todesurteil auf Raten.

Bei Timmy entdeckten Taucher schon Anfang März Netzteile und Seile an seinem Körper, die entfernt werden konnten. Später wurde ein neues Netz an seinem Maul gesichtet.

Meeressäuger, die durch Netze innerlich stranguliert werden, können ihr Maul nicht mehr richtig öffnen, keine oder kaum Nahrung aufnehmen, ziehen sich Wunden und schwere, nicht heilende Verletzungen durch die Einschnürungen zu. Außerdem verbrauchen sie eine gewaltige Kraft und Energie durch die Last – Erschöpfung und Orientierungslosigkeit sind die Folge.

Woher kommen die Netze in den Meeren?

Ca. 800.000 Tonnen Fischereiausrüstung landen jährlich, so Schätzungen, in den Ozeanen – für Meeresbewohner eine tödliche Gefahr!

Bei dem Buckelwal könnte es sich um illegal ausgelegte (entsorgte oder verloren gegangene) Netze handeln oder auch die Ankerleine eines Sportbootes. Die Polizei ermittelt in diesem Zusammenhang.

Warum verirren sich Großwale wie Buckelwale überhaupt in die Ostsee?

Oft gibt es verschiedene Ursachen:

  • Verheddern in Fischernetzen
  • Sonnenphänomene und Magnetfeldstörungen, die Wale veranlassen, falsche Richtungen (Skagerrak und weiter in die Ostsee) einzuschlagen, statt in ihrem Lebensraum, dem Atlantik, zu bleiben
  • Unterwasserlärm (Schifffahrt, Sonare, Bauarbeiten) schädigt das empfindliche Gehör der Wale, versetzt sie in Panik und lässt sie in flache Küstengewässer flüchten. Hier finden sie nicht mehr zurück
  • Zu niedriger Salzgehalt der Ostsee greift die Haut an. Die Folgen: Blasen und schmerzhafte Läsionen, die zu Infektionen und Organversagen führen (können)
  • Der niedrige Salzgehalt der Ostsee erschwert den physikalischen Auftrieb, macht das Schwimmen für das ohnehin sehr geschwächte Tier noch anstrengender
  • Der Buckelwal findet in der Ostsee kaum Nahrung; er bräuchte große Fischschwärme aus tiefem Gewässer und Krill. So muss er seine Fettreserven aufzehren, die ihn weiter schwächen.

Wie gefährlich sind Offshore Parks für Meeressäuger?

  • Die rotierenden Blätter und das Getriebe erzeugen Vibrationen, die über den Mast direkt in das Fundament und damit in den Meeresboden und das Wasser geleitet werden
  • Wale sind auf ihr Gehör angewiesen und werden durch alle Fremdsignale, wie eben auch durch Windparks, gestört. Ihre eigene Kommunikation wird überlagert, Orientierungspunkte (Küstenlinien, Artgenossen) nicht mehr wahrgenommen
  • Windparks erzeugen elektromagnetische Felder. Die Parks sind mit massiven Unterseekabeln untereinander und dem Festland verbunden – schwimmt ein Wal über die Kabel, kann sein Navigationssystem irritiert werden. Er biegt falsch ab, so zum Beispiel in die Ostsee statt zurück in die Nordsee
  • Der kritische Moment für Meeressäuger ist der Bau der Offshore Parks, wenn die Fundamente der Windräder mit gewaltigem Lärm in den Meeresboden gerammt (Rammschall) werden. Tatsächlich kann der Lärm das Gehör der Buckelwale so irreparabel schädigen, dass sie schwerhörig werden und jegliche Orientierung verlieren
  • Auch panische Fluchtreaktionen vor dem Baulärm sind hinreichend dokumentiert. Dabei achten die Meeressäuger nicht mehr auf die Richtung und landen in zu flachen Buchten, in denen sie festliegen

Die zunehmende Zahl an Windparks in der Ostsee verengt das Gewässer, macht es zu einem Labyrinth. Für Meeressäuger entstehen regelrechte Barrieren, denen sie ausweichen müssen. Jeder Umweg für ein geschwächtes Tier kostet zusätzliche Energie.

Warum kann der Buckelwal nicht „erlöst“ werden?

  • Timmy wiegt 12 Tonnen. Fachleute erklären, dass es keine Erfahrung mit einer sicheren Dosierung gibt; wäre die Dosis zu gering, würde das Leiden des Meeressäugers nur verlängert werden
  • Durch die dicke Speckschickt können keine Injektionsnadeln gesetzt werden, die lebenswichtige Organe oder Blutbahnen erreichen sollten
  • Präzise Todesschüsse sind bei der Schädelanatomie des Buckelwals nicht möglich
  • Eine Sprengung des Tieres ist ethisch nicht vertretbar und birgt das Risiko grausamster Verletzungen, wenn das Procedere misslingt.

 

 

 

 

 

 





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