Bundesverband Tierschutz e.V., Moers, 4. Oktober 2026. Auf einer Müllkippe am Rand der bulgarischen Stadt Kyustendil leben Hunde, darunter Welpen jeglichen Alters. Sie versuchen sich von den fauligen Lebensmittelresten herauszusuchen, was den ständigen Hunger betäubt – kaum ein Bild könnte die Notwendigkeit eines Welttierschutztages besser symbolisieren.
Warum müssen Welpen und erwachsene Hunde in europäischen Mitgliedsstaaten noch heute auf Müllkippen dahinvegetieren? Wo bleibt der Schutzauftrag der Gesellschaft für die Tiere, die sich sichtbar für alle von Abfällen ernähren, mit Verletzungen und Krankheiten quälen – und trotz aller Versehrtheit weiter Nachwuchs in die Welt setzen?
„Die Kastration von Straßenhunden und Besitzerhunden, die durch ihren Freigang weiter zum Populationsanstieg beitragen, ist die einzige Möglichkeit, das Leid von herrenlosen Tieren zu begrenzen“, sagt die Vorsitzende des Bundesverbandes Tierschutz e.V., Claudia Lotz. Der bundesweit tätige Verband hat gerade 5000 Euro für eine Kastrationsaktion im rumänischen Sibiu zur Verfügung gestellt. Den Ablauf begleitet der befreundete, in Sibiu ansässige Verein, Animallife e.V.. Aus Deutschland ist Marianne Brass, Gründerin der Freien Tierhilfe e.V., angereist, um sich vor Ort ein Bild der angelaufenen Kastrationsaktion zu machen. Über 100 Hunde sollen in diesen Tagen kastriert werden; es sind Straßenhunde und Hunde von Bürgern dabei, die den Eingriff befürworten, ihn aber nicht bezahlen können.
„Dass wenigstens diese Tiere keinen Nachwuchs mehr in die Welt setzen können, ist sehr beruhigend“, sagt Marianne Brass mit Blick auf die verelendeten Hunde, die in den staatlichen Tierheimen und Tötungsstationen vieler ost- und südeuropäischer Länder sitzen. Die Freie Tierhilfe-Gründerin fährt von Sibiu weiter nach Bulgarien, um mit dem Bürgermeister der Stadt Kyustendil über die Situation der „Müllkippenhunde“ zu sprechen. „Ich habe in unserem Gespräch deutlich gemacht, dass weitaus mehr kastriert werden muss und sich zudem die hygienischen Bedingungen im städtischen Tierheim verbessern müssen.“
Mit im Gepäck hat Marianne Brass die Zusage des Bundesverbandes Tierschutz e.V. die Impfung und Entwurmung der Tierheimhunde zu bezahlen. Ihr eigener Verein unterstützt seit Jahren die heimische Tierschutzorganisation foundation hummanost e.V. mit regelmäßigen Futter- und Spendenlieferungen aus Deutschland. Auch die Hundehütten, die nun am Rand der Müllkippe den Hunden etwas Schutz bieten sollen, haben der BVT und die Freie Tierhilfe e.V. finanziert.
„Wir nehmen den Welttierschutztag zum Anlass“, so Claudia Lotz, „die EU aufzufordern, weitaus mehr Anstrengungen zu unternehmen, um das Leid von Straßentieren zu beenden. Dass die Kastration der einzige Weg ist, die Population nachhaltig zu begrenzen, ist seit langem bekannt und wurde in vielen Studien, Expertisen und Praxisbeispielen bestätigt.“