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Diabetikerwarnhunde

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Diabetikerwarnhunde

Lebensretter auf vier Pfoten

Maya hat eine Aufgabe, eine lebenswichtige. Am veränderten Körpergeruch erkennt sie, wann ein Mensch unterzuckt ist und kann ihn warnen, bevor sich die Krise gefährlich zuspitzt.

Die Ausbildung zur Diabetikerwarnhündin haben Maya und ihr Frauchen gemeinsam bei Carola Schulze durchlaufen. „Die Hundebesitzer bilden ihre Hunde selbst aus; ich leite beide dabei an“, sagt die 51jährige Hundetrainerin mit Standorten in Berlin und Köthen (Sachsen-Anhalt). Vor zwölf Jahren hat sie sich ihr fachliches Know How bei Deutschlands bekanntestem Hundeprofi und Tierpsychologen Martin Rütter angeeignet. Als Hundehalter die Ausbildung für Diabetikerwarnhunde erfragten, bildete sich Carola Schulze bei Uschi Loth (www.diabetikerwarnhund-netzwerk.de) fort und gehört heute zu dem deutschlandweiten Netzwerk. 

„Bei Diabetes kann es sehr schnell um Lebensgefahr gehen, wenn der Blutzucker abnorm steigt oder sehr tief abfällt“, erklärt Carola Schulze und deutet damit die hohe Verantwortung an, die mit der Schulung eines zuverlässig anzeigenden Hundes verbunden ist.

Maya hat die Ausbildung vor einiger Zeit mit Bravour absolviert – und überrascht ihre Besitzerin noch heute durch ihre Eigeninitiative. Eines Abends fand die Diabetikerin ihr Blutzuckermessgerät auf dem Kopfkissen vor, als sie aus dem Badezimmer kam. Die Goldendoodlehündin hatte genau beobachtet, dass ihr Frauchen regelmäßig vor dem Schlafengehen noch einmal ihren Blutzucker kontrollierte und wollte an diesem Tag das notwendige Procedere offensichtlich vorantreiben.

„Das war eine großartige Leistung“, sagt Carola Schulze anerkennend. Und es bestätigt, was sie während der Trainingsmomente beobachtet: „Die Hunde nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, sie finden Erfüllung darin. Und wenn sie merken, wie wichtig sie für ihren Menschen sind, dann entsteht eine ganz starke Bindung.“ Dass Hunde Diabetiker vor drohenden Entgleisungen ihres Blutzuckerspiegels warnen können, liegt an ihrem fantastischen, das menschliche weit übertreffende  Geruchsvermögen. Werden die Hunde nun entsprechend konditioniert, den veränderten Körpergeruch ihres Halters als Notlage zu erkennen, ihn entsprechend zu warnen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten, dann haben Diabetiker einen Lebensretter an ihrer Seite.

Gerade Kinder können lebensbedrohlich unterzuckern, weil Blutzuckeranomalien bei ihnen enorm schnell eintreten. Besonders häufig treten solche Entgleisungen in die Höhe oder Tiefe in der Nacht auf und führen dazu, dass die Eltern in ständiger Angst um ihre erkrankten Kinder leben. „Ein Diabetikerwarnhund gibt Familien ihre Normalität zurück, weil er rechtzeitig auf eine drohende Unterzuckung hinweist“, beschreibt die Hundetrainerin die Funktion des Retters auf vier Pfoten.

Dennoch ist die Entscheidung, einen Welpen als künftigen Aufpasser für kleine Patienten ins Haus zu holen, nicht immer richtig. Familien, die sich besonders im Anfangsstadium von der Diagnose „juveniler Diabetes“ noch sehr überfordert fühlen, können zu diesem Zeitpunkt sicher keinem Welpen gerecht werden. „Wir dürfen nicht vergessen, dass der Hund kein Hilfsmittel ist, sondern ein Lebewesen mit Gefühlen, Empfindungen und eigenen Ansprüchen“, appelliert Carola Schulze an alle künftigen Hundehalter. Wie psychisch belastend schwere Unterzuckerungen ihrer erkrankten Besitzer für sensible Hunde sein können, erklärt die Hundetrainerin. „Gerade wenn der Diabetes schon sehr lange besteht, merken Betroffene die körperlichen Warnzeichen (Reizbarkeit, Unruhe, kalter Schweiß, Herzklopfen, Schwäche, Übelkeit etc.) für eine nahende Unterzuckerung nicht. Der Abfall des Blutzuckers führt bei manchen Menschen zu aggressivem Verhalten; sie sind dann nicht ansprechbar, schubsen den Hund zur Seite, werden grob. Sensible Hunde leiden sehr darunter. Umso wichtiger ist eine professionelle Anleitung, in der Mensch und Hund Schritt für Schritt lernen, wie Diabetikerhunde arbeiten. 

Wenn sich nun bei einem kleinen oder großen Patienten der Blutzucker in gefährliche Tiefen bewegt, dann nimmt der Diabetikerwarnhund diese Entgleisung hauptsächlich über den veränderten Körpergeruch des Menschen wahr. Er wird dann seinen Besitzer warnen, so wie er es gelernt hat. Entweder kratzt er ihn empfindlich mit den Krallen seiner Pfote oder macht so auf sich aufmerksam, wie es im gemeinsamen Training besprochen wurde. „Wir könnten den Hund auch so konditionieren, dass er seinen Halter anstupst oder bellt, aber ich halte das ein wenig schmerzhafte Kratzen mit der Pfote für die beste Warnung“, sagt Carola Schulze.

Müssen Hunde nun über ganz besondere Fähigkeiten verfügen, um ein guter Diabetikerwarnhund zu werden? „Nein“, sagt die Hundetrainerin, „prinzipiell kann jeder Hund die Ausbildung durchlaufen. Selbst Möpse, Pekinesen oder Boxer verfügen trotz ihrer flachgedrückten Nasen immer noch über ein hervorragendes Geruchsvermögen.“ Überhaupt ist für die Hundetrainerin nicht die Anatomie oder Rasse eines Tieres entscheidend, sondern viel mehr die harmonische Zusammenarbeit im Team Mensch-Hund.

Damit der Hund lernt, auf spätere Krisensituationen adäquat zu reagieren, muss er entsprechend konditioniert werden. Das geschieht mit einem Stofffetzen, der den veränderten Körpergeruch eines unterzuckerten Menschen über ein T-Shirt aufgenommen hat. Das Shirt wurde dann in kleine Teile geschnitten, eingefroren und für Schulungszwecke aufgetaut und dem Hund vorgelegt. Stößt er mit seiner Nase an den Stoff, wird er mit einer Belohnung bestätigt. Bei jedem Kontakt zur Geruchsprobe löst Carola Schulze bzw. der Hundebesitzer ein Klicker-Signal aus. Der Hund lernt über diese positive Bestätigung sehr schnell, dass es sich „lohnt“, auf den Geruch zu reagieren.

Weiter muss der Diabetikerwarnhund im gemeinsamen Training mit seinem Halter lernen, nach dem Anzeigen einer Hypoglykämie das Notfallpäckchen zu holen und eine Notfallklingel zu betätigen. Durch diese Sofortmaßnahmen wird verhindert, dass Zuckerkranke unbemerkt von anderen Menschen ins diabetische Koma fallen. Die Ausbildung zum Lebensretter auf vier Pfoten dauert – je nach Veranlagung des Hundes und Mitarbeit seiner Besitzer – zwischen drei Monaten und 1,5 Jahren. Wie schnell der Hund begreift, was sein erkrankter Halter im Ernstfall von ihm erwartet, hängt stark von der harmonischen Bindung der Beiden ab. „Wer seinen Hund mit zu schnellen Lernschritten überfordert und seine Ungeduld zeigt, wird das Tier verunsichern und den Erfolg gefährden“, mahnt die Expertin. Und es geht bei dieser Schulung von Hund und Halter nicht zuletzt auch um die Kommunikation. Wie entscheidend der Hund die Körpersprache seines Menschen wahrnimmt und interpretiert, überrascht allerdings die allermeisten Hundebesitzer.

„Eigentlich trainiere ich Menschen“, sagt Carola Schulze lächelnd. „Die Hunde setzen nämlich nur um, was ihr Besitzer ihnen durch die Körpersprache und Kommunikation mitteilt. Gerade bei diesem so wichtigen Aspekt geht oft so vieles schief: Man starrt dem Hund nicht ins Gesicht oder steigt über seinen Rücken, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wer keine Grenzen setzt, keine Regeln aufstellt und missverständliche Signale aussendet, muss sich nicht wundern, dass der Hund die Führung übernimmt. In seinen Augen macht der Hund alles richtig.“    

 „Ihr könnt nicht die Welt retten“, hat Hundeprofi Martin Rütter den angehenden Hundetrainern in seinem „Zentrum für Menschen mit Hund“ mit auf den Weg gegeben. Für Carola Schulze ist dieser Appell Aufgabe und Berufung zugleich: Kürzlich hat sie einen Therapiehund ausgebildet, der mit seinem Besitzer, dem Chefarzt Dr. Eric Hilf, auf der geriatrischen Station mitarbeitet. Border Collie Dr. Wuff begleitet sein Herrchen bei der Visite, um bettlägerige Patienten zum Aufstehen zu bewegen. Über das Team Dr. Hilf und Dr. Wuff lesen Sie in der kommenden Ausgabe unserer Zeitung.

Wer mehr über Körpersprache und Kommunikation erfahren möchte, dem empfehlen wir: Martin Rütter: „Sprachkurs Hund. Körpersprache verstehen und richtig kommunizieren.“ Kosmos Verlag, 19,95 Euro

Die Ausbildung zu einem Diabetikerwarnhund mit abschließender Prüfung kostet bei Hundetrainerin Carola Schulze pauschal 4.500 Euro. Darin sind Telefonate, Mails und alle notwendigen Schulungsstunden enthalten. Die Krankenkasse zahlt diese Ausbildung nicht, dafür unterstützen Stiftungen das Gesuch der Betroffenen häufig.

Kontakt zu Carola Schulze:

Carola Schulze

Martin Rütter DOGS Köthen / Berlin

Zeppelinstr. 7

06366 Köthen

Trainingsgelände Berlin: 12103 Berlin, Bessemerstr. 2 -14

Telefon: +49 (0) 3496 - 3099272

Mobilfunk: +49 (0) 151 - 16728514

Fax: +49 (0) 3496 - 213139

E-Mail: carola.schulze@martinruetter.com

Internet: www.martinruetter.com/berlin-schulze  /  www.martinruetter.com/bitterfeld-koethen




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