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Unsere Tierschutz-Themen von A-Z

Katzenschutzverordnung in Berlin überfällig

Seit Jahren machen Tierschutzverbände und Tierheime auf das Problem einer stetig wachsenden Katzenpopulation in Deutschland aufmerksam und weisen auf die Notwendigkeit einer bundesweiten Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen hin.

 Doch während sich immer mehr Städte und Gemeinden dem sogenannten Paderborner Modell anschließen und Kastrationsgebote erlassen – Paderborn hatte 2008 als erste Stadt in Deutschland eine Kastrationsverordnung für Katzen mit Freigang beschlossen – zögert die Hauptstadt diesen mehr als überfälligen Schritt weiter hinaus.

Dabei ist das Katzenelend in Berlin und seinem Umland so groß, dass Tier- und Katzenschutzvereine sowie private Initiativen von Katzenfreunden längst an ihre Grenzen stoßen. Mehrfach im Jahr bringen Katzen Nachwuchs zur Welt, der sich wiederum mit Erreichen der Geschlechtsreife ungehindert vermehrt. Durch unkastrierte Katzen, die von ihren Besitzern Freigang erhalten, erhöht sich die Katzenpopulation auf der Straße weiter. Die Tiere, ständig auf der Suche nach Nahrung, verelenden. Mangelernährte, verletzte und kranke Katzen aller Altersgruppen müssen nun aufwändig von den Tierheimen wieder gesund gepflegt und mühevoll vermittelt werden.

Schon vor seinem Beitritt zum Bündnis Tierschutzpolitik Berlin hat sich der BVT für eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene stark gemacht. Die Kastration von Freigängerkatzen sei der einzige Weg, der Überpopulation entgegenzuwirken, empfiehlt auch die Bundestierärztekammer und unterstützt damit die langjährige Forderung der Tierschutzverbände.

Seit der letzten Tierschutzgesetz-Novellierung, die im Juli 2013 in Kraft trat, ist es den Bundesländern nun durch eine Rechtsverordnung möglich, Maßnahmen zur Populationskontrolle wild lebender Katzen zu treffen und diese Ermächtigung auf Behörden (Kommunen) zu übertragen. „Nun kann die Kastrationspflicht endlich nach Tierschutzgesichtspunkten erlassen werden“, kommentierte der BVT-Geschäftsführer, Dr. Jörg Styrie, die Verordnungsberechtigung und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Berlin nun zügig mit einer Katzenschutzverordnung folgen werde. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die Rechtsverordnungen zur Kastration von Freigängerkatzen erlassen haben, verschließt sich Berlin weiterhin einer solchen Regelung.

 

Bild: dreamstime.com

 

Katzen verschwunden- Tierfänger unterwegs?

Achten Sie auf Lieferwagen in Ihrem Wohngebiet

In Ahrensburg (nahe Hamburg) vermissen seit Mai mehrere Katzenhalter ihre Tiere. Sie sind in höchster Sorge um ihre Katzen, fragen sich, ob sie überfahren wurden, von Tierquälern misshandelt oder gar von Tierfängern angelockt und mitgenommen worden sind. 

Zwar wird immer wieder bestritten, dass Katzen Tierfängern in die Hände gefallen sind, doch gibt es viele Beobachtungen, die dafür sprechen. Nachbarn erinnern sich im Nachhinein, dass ihnen Transporter aufgefallen seien, die langsam das Wohngebiet abgefahren hätten. Zeitgleich mit dem Verschwinden der Katzen seien oft Altkleider- Schrott- oder anderen Sammlungen durchgeführt worden.

Wenn in Ihren Wohnstraßen wieder einmal Eimer über Nacht aufgestellt werden, seien Sie vorsichtig. Es könnte sein, dass Katzenfänger diese öffentlichen Sammlungen nutzen, um in der Nacht in eigenen Behältnissen herumstreifende Katzen einzufangen. Vermutet wird, dass die Tiere mit Lockstoffen (u.a. Pheromonen) herbeigelockt und betäubt werden. Dann werden sie in die von außen nicht einsehbaren Lieferwagen eingesperrt.

Versuchen Sie Ihre Katze zu schützen, indem Sie sich mit Ihren Nachbarn verständigen, verschärft auf Transporter zu achten, die plötzlich langsam durch Ihr Wohngebiet fahren. Notieren Sie zur Vorsicht die Kennzeichen oder sprechen Sie die Fahrer an.

Oft stellen die Katzenhalter nach dem Verschwinden ihres Tieres fest, dass sich ihre Katze in den vergangenen Tagen anders verhalten hatte. Der Grund könnten Lockstoffe gewesen sein, die die Katzen (über Kilometer hinweg) wahrgenommen haben. Die Tiere (selbst kastrierte) zeigen deutliche Verhaltensänderungen im Haus, wollen unbedingt hinaus, werden aggressiv gegen ihre bisherigen Kumpels, schreien, laufen aufgeregt auf und ab und suchen Möglichkeiten, ins Freie zu gelangen. 

Lassen Sie Ihre Katzen niemals außer Haus, wenn Ihnen ein derart verändertes Verhalten Ihres sonst besonnenen Tieres auffällt. Auch Katzen, die nach ihrem Freigang verschreckt,  verschüchtert oder gar panisch wirken, können gerade der Gefahr entronnen sein, gefangen zu werden. 

Weitere Gründe für das Verschwinden von Katzen sind Jäger, die Ihr Tier erschosen haben, oder Autounfälle. Und natürlich gibt es auch Tierquäler und Katzenhasser, die Fallen aufstellen und die Tiere töten.

Grundsätzlich gilt: Schützen Sie Ihr Tier durch einen Chip und lassen Sie es bei TASSO registrieren. Sollte Ihre Katze einfach "nur" entlaufen sein, können die Finder über das Auslesen des Chips im Tierheim oder beim Tierarzt Sie als Besitzer ausfindig machen. 

Urteil VG Koblenz: Erstattung Tierarztkosten für Fundkatzen

Im vergangenen Jahr hatte eine Tierklinik drei Fundkatzen behandelt, die ihnen von Tierfreunden gebracht worden waren. Die Kosten für die medizinische Behandlung wollte die Gemeinde nicht tragen. Sie argumentierte, dass es sich bei den Katzen nicht um Fundtiere gehandelt habe, sondern um herrenlose Katzen. 

Das ist falsch, sagten die Richter des Verwaltungsgerichtes Koblenz. In ihrem Urteil machten sie deutlich, dass die drei zur Behandlung gebrachten Katzen sehr wohl Fundtiere gewesen seien, um die sich die Gemeinde in ihrer Funktion als Fundbehörde zu kümmern habe.

Zwar gäbe es auch herrenlose Katzen, die sich aufgrund ihrer Verwilderung scheu gegenüber dem Menschen zeigten, doch der überwiegende Teil seien Freigängerkatzen mit einem Zuhause, von dem sie sich mehr oder weniger weit entfernten. Im betreffenden Fall waren die Katzen nicht scheu oder verwildert,  aber in einem verletzungsbedingt schlechten Gesundheitszustand. Im Übrigen war eine Katze gechippt, trug ein Halsband, eine weitere bewegte sich längere Zeit in einem Wohnbereich und schien den Kontakt zum Menschen zu suchen. Das dritte Tier wurde nach der Behandlung ins Tierheim gebracht und später vermittelt.

Für den BVT ist das Urteil aus Koblenz, gegen das noch Berufung eingelegt werden kann, wichtig. "Tierfreunde müssen ebenso wie Tierärzte Klarheit haben, dass die notwendige Behandlung von kranken oder verletzten Fundkatzen von der Gemeinde bezahlt wird", sagt Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Verbandes.

Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 13. September 2017. Aktenzeichen: 2 K 533/17.KO

Über Kinder und Haustiere

Tierheimleiterin Gabi Wettläufer im Interview

Mit Respekt vor dem Leben

Was Eltern für ein entspanntes, konfliktfreies Miteinander zwischen Kindern und Hund tun können, erklärt die Tierheimleiterin Gabi Wettläufer in der aktuellen Ausgabe der BVT-Zeitung 1/2018.

 

Der Tierschutz: Im Januar wurde ein alter Jack Russel im Tierheim abgegeben, weil er ein Kind angeknurrt hatte. Wie kommt es zu solchen Vorfällen?

Gabi Wettläufer: Weil die Verantwortlichen - in diesem Fall die Großeltern und die Mutter - das kleine Mädchen im Umgang mit dem alten Hund offensichtlich nicht angeleitet hatten. Anton ist 14 Jahre alt, auf einem Auge blind und hört schlecht. Wenn da ein temperamentvolles Kleinkind unvermittelt an seinen Korb stößt oder nach ihm greift, wird er sich erschrecken und knurren oder die Zähne zeigen - anders kann er sich nicht bemerkbar machen.

Doch der Punkt ist: Zu solchen Vorfällen darf und muss es nicht kommen, wenn Eltern verantwortungsvoll das Verhältnis zwischen Kindern und Hunden begleiten. Der Respekt vor dem Leben, vor allen Lebewesen, ob Hund, Katze, Kaninchen oder Biene muss von den Erwachsenen vorgelebt und den Kindern entsprechend nahegebracht werden.

Der Tierschutz: Wie schaffen Eltern das?

Gabi Wettläufer: Ich rate dazu, feste Regeln aufzustellen, die von allen Beteiligten eingehalten werden müssen. Ganz oben steht die Achtung vor dem jeweils Anderen.

So muss der Hund genauso lernen, dass er sich nicht mit den Spielsachen der Kinder beschäftigen darf, wie auch die Kinder dem Hund nicht seine Spielzeug fortnehmen dürfen. Ohne Genehmigung der Erwachsenen darf der Hund nicht auf die Decke zu den Kindern und die Kinder nicht an den Schlaf- oder Futterplatz des Hundes - das sind zum Beispiel die allersten Grundsätze, die von allen Seiten befolgt werden müssen.

Der Tierschutz: Unter welchen Umständen stimmen Sie einer Vermittlung eines Tierheimhundes in eine Familie nicht zu?

Gabi Wettläufer: Wenn zum Beispiel Eltern zu mir kommen und erklären, dass sie einen "kinderfreundlichen" Hund wünschen, der vieles "abkönnen" muss.

So soll der Hund sich von den Kindern gefallen lassen, dass ihm etwas fortgenommen wird, die Kindern ihn am Schwanz ziehen, über ihn fallen, auf seine Pfoten treten, ihn beim Fressen stören und vieles mehr. Es geht mir hierbei um die Erwartungshaltung, die manchen Eltern selbstverständlich scheint: Der Hund oder jedes anderes Tier muss sich alles gefallen lassen können, alles erdulden. Doch ich sage es noch einmal: Der Hund hat nur seine Zähne, um sich zu wehren.

Der Tierschutz: Haben Sie auch schon erlebt, dass sich Familien von ihrem Hund trennen, ohne dass es einen schwerwiegenden Vorfall mit dem eigenen Nachwuchs gab?

Gabi Wettläufer: Auch das. Das sind dann oft Eltern, die sehr innig mit ihrem Hund waren - bis dann das Baby kommt. Ab sofort zählt nichts mehr, nur noch das Kleine. Es wird zum bestimmenden Lebensmittelpunkt, da sind nicht einmal mehr gemeinsame Hundespaziergänge möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Mütter ihre Babys nicht mehr im Kinderwagen fahren, sondern in Tüchern direkt am Bauch tragen. So ist natürlich die Beweglichkeit stark eingeschränkt, sie können sich nicht bücken oder eingreifen, wenn es in der Interaktion mit anderen Hunden nötig werden sollte.

Der Tierschutz: Ein Hund, der sehr eifersüchtig auf die Ankunft des Babys reagiert hat, ist der kürzlich im Tierheim abgegebene Australian Shepherd Cheewie. Wie erklären Sie sich seine ausgeprägte Ablehnung?

Gabi Wettläufer: Natürlich können wir nicht wissen, was wirklich in der Familie vorgefallen ist. Wir haben nur erfahren, dass Cheewie das "ein und alles" für seine Menschen war. Sie haben ihn ausgelastet, sich mit ihm beschäftigt, die Hundeschule besucht, die Trickdogschule - doch als das Kind kam, war Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Australian Shepherds sind ohnehin sehr sensibel; Cheewie scheint sich extrem zurückgesetzt gefühlt zu haben. Die Besitzer haben uns gesagt, dass sie um das Leben ihres Kindes fürchten mussten, weil die Eifersucht des Hundes so groß war. Auch hier im Tierheim reagiert der Rüde heftig, wenn Kinder an seinen Zwinger treten. Vielleicht hat es da noch etwas anderes gegeben...

Der Tierschutz: Welche Voraussetzungen sollten Interessenten für Cheewie mitbringen? 

Gabi Wettläufer: Sie sollten Erfahrung in der Hundehaltung haben, besonders aber mit Australian Shepherds vertraut sein. Cheewie ist unsicher in bestimmten Situation. Der Dreijährige braucht Menschen, auf die er sich verlassen kann. Souveräne Bezugspersonen, die ihm Sicherheit geben und Grenzen setzen. Die Kinder sollten nach seiner Vorgeschichte schon im jugendlichen Alter sein. Wir werden diese Vermittlung, wie alle anderen übrigens auch, sehr verantwortungsvoll begleiten - Cheewie ist ein wunderbarer Hund mit großartigen Anlagen. Er braucht jetzt einfach eine zweite Chance.

Der Tierschutz: Labradore gelten als Familienhunde, Schäferhunde nicht. Was halten Sie von solchen Klassifizierungen?

Gabi Wettläufer: Gar nichts! Kein Hund ist aufgrund seiner Rasse Kindern besonders zu- oder abgeneigt, da kann man nicht pauschalieren. Es gibt Hunde, die mit Kindern Schwierigkeiten haben - und da gehören tatsächlich häufig Labradore dazu. Während viele Schäferhunde Kindern innig zugetan sind. Meine eigene Schäferhündin, deren Herkunft im Dunkeln liegt, ist problematisch mit Artgenossen, auch mit vielen Erwachsenen. Aber Kinder liebt sie über alles.  

Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass die Besitzer von Labradoren sehr oft Ersthundehalter sind. Wer sich einen Schäferhund anschafft, hat in der Regel Hundeerfahrung und stellt für einen konfliktfreien Umgang mit Kindern die richtigen Weichen.

Der Tierschutz: Würden Sie jungen Familien von der Hundehaltung abraten?

Gabi Wettläufer: Nein, nicht grundsätzlich. Man muss von Fall zu Fall entscheiden. Ich würde noch unerfahrenen Hundehaltern allerdings immer raten, zu warten, bis die Kinder im Grundschulalter sind und dann einen ausgeglichenen, erwachsenen Hund ins Haus zu holen, keinen Welpen. Da stoßen die Eltern, selbst wenn nicht beide berufstätig sind, schnell an ihre Grenzen der Belastbarkeit.

Ein Hund ist wie ein weiteres Kind; er braucht Erziehung, Pflege, Ansprache, Bewegung und Beschäftigung. Das heißt: Aufstehen um 6 Uhr morgens, trotz Regen, Schnee und möglichem Unwohlsein. Dann brauchen die Kinder Frühstück, müssen in die Schule, haben Freizeitaktivitäten am Nachmittag und brauchen vielleicht Unterstützung bei den Hausarbeiten. Wie man da einem Hund, der seine eigenen Bedürfnisse hat, gerecht werden will, ist mir ein Rätsel - es geht einfach nicht! Das sehen übrigens die Interessenten dann genauso, wenn wir gemeinsam überlegt haben, dass ein Hund mit seinen Ansprüchen tatsächlich nicht in den Tagesablauf zu integrieren ist.

Der Tierschutz: Sie als Tierheimleiterin bekommen fast täglich mit, wie Menschen die Verantwortung Tieren gegenüber mit Füßen treten. Was macht Sie besonders böse?

Gabi Wettläufer: Wir sprachen am Beginn schon darüber: Respektlosigkeit im Umgang mit Tieren,  mangelnde Verantwortung und die ungeheure  Erwartungshaltung, dass alle anderen bei der Problemlösung helfen müssen, ärgert mich gewaltig. Man schafft sich einen Welpen im Internet an, kommt mit dem heranwachsenden, geschlechtsreifen Hund nicht zurecht und bringt ihn uns. Oft mit dem Zusatz: Wenn ihr ihn nicht nehmt, setze ich den Hund eben aus.

Oder anderes Beispiel: Die Leute wollen ihren Hund im Tierheim abgeben, weil er diese Eigenschaft hat oder jene erwünschte nicht hat, und einen neuen Hund mitnehmen. Sie wollen ihren Hund, ein Lebewesen, einen treuen Gefährten, einfach umtauschen, als wäre er eine defekte Waschmaschine. Das ist eine ungute Entwicklung, ein Ausdruck unserer Wegwerfgesellschaft.

Ich möchte an dieser Stelle an alle Tierbesitzer appellieren: Kommen Sie rechtzeig ins Tierheim, wenn sich Probleme mit Ihrem Hund andeuten. Wir können aus unserer langjährigen Erfahrung viele Ratschläge geben, mit denen sich die Schwierigkeiten lösen lassen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Hund muss man sich erarbeiten. Nehmen Sie sich diese Zeit, sich, Ihrer Familie und Ihrem Hund zuliebe. 

 

Die wichtigsten Infos in Kürze

- Es gibt keine "kinderfreundlichen" Hunderassen. Hunde müssen im Umgang mit Kindern von den Erwachsenen angeleitet werden, was auch umgekehrt gilt

- Wichtig ist, dass Hunde in ihren Prägephasen gute Erfahrungen mit Kindern machen können. Dass diese Begegnungen für beide Seiten positiv verlaufen, liegt in der Verantwortung der Erziehungsberechtigten

- Hunde sollten nicht nach ihrem Aussehen erwählt werden, sondern nach ihren Eigenschaften, ihrem Charakter und der genetischen Ausstattung. Ein Jagdhund oder Herdenschutzhund, um nur zwei Beispiele zu nennen, bringt Anlagen mit, die sich mit einem ausgefüllten Familienalltag sicher nicht vereinbaren lassen

- Hunde - wie auch alle anderen Tiere - dürfen niemals als "Kinderspielzeug" angeschafft werden. Tiere sind eigenständige Persönlichkeiten mit oft sehr ausgefeilten und spezifischen Ansprüchen an Haltung, Umgang und Auslastung

- Schluss mit falschen Erwartungshaltungen wie diesen: "Der Hund muss sich von unseren Kindern alles gefallen lassen können"; "der Hund muss sich ganz problemlos in unseren Alltag einfügen und alles mitmachen können". Hunde müssen nicht überall (Einkaufen, Kindergeburtstag etc.) dabei sein. Sie brauchen Ruhe, einen Rückzugsort und einen geregelten Tagesablauf. Ein strukturierter Tag gibt ihnen Sicherheit - das ist eine wichtige Voraussetzung für einen ausgeglichenen Hund

- Bevor ein Hund ins Haus kommt, sollte sich die Familie mit allem beschäftigen, was einen Hund ausmacht. Wie sind seine Bedürfnisse, wie seine Körpersprache, seine Kommunikation? Können wir den besonderen Ansprüchen dieses Hundes (oder eines anderen Tieres) in unserem Alltag gerecht werden oder können wir aus Zeitgründen der Erziehung/der Beschäftigung/der Auslastung/der Bewegung des Hundes doch nicht gerecht werden?

-  Vorsicht mit Fehleinschätzungen wie dieser: "Ein kleiner Hund eignet sich gut für ein kleines Kind". Hunde kleiner Rassen haben in der Regel eine sehr niedrige Reizschwelle, sind nervös, hektisch, übererregt, geräuschempfindlich und reagieren häufig mit Unmut auf kindliches Temperament

-  Auch umgekehrt gilt: Welpen wollen nicht von Kindern herumgetragen und vielleicht sogar fallen gelassen werden. "Spielerische" Kämpfe um Spielzeug und Futter sind völlig tabu, schon scharfe Milchzähne können Kinder empfindlich verletzen. Und wieder liegt es an den Eltern, ihre Kinder so anzuleiten, dass Welpen die Beißhemmung erlernen sowie Kindern beigebracht werden muss, dass der Welpe mit dem ersten Tag seines Einzugs eine eigenständige Persönlichkeit ist. Und das heißt: Dem Welpen wird nichts fortgenommen, er wird nicht geärgert, aus seinem Korb gehoben, nicht verjagt und nicht "aus Spaß" gepikt oder getreten

- Alte Hunde hören schlechter, sehen nicht mehr so gut, brauchen länger für alles, schlafen mehr, haben vielleicht Schmerzen. Kinder müssen lernen, dass ein alter Hund noch mehr Rücksichtnahme verlangt als junge, gesunde und agile Tiere

- Auch vor diesem Fehler sei gewarnt: Ihre Kinder wollen einen Hund, Sie als Eltern nicht und schenken "ersatzweise" ein Kleintier. Damit geben Sie erstens den Kindern das Gefühl, die "schlechtere Alternative" erhalten zu haben und werden zweitens dem Tier vermutlich nicht gerecht. Denn gerade Kaninchen, die so oft als "Spielpartner" ins Kinderzimmer geholt werden, sind Tiere mit großen Haltungsansprüchen. Alle Lebewesen - und seien sie noch so klein - haben individuelle Bedürfnisse. Sie wollen mit Artgenossen laufen, rennen, springen, fliegen, buddeln und vieles mehr.

Kein Tier in einem Käfig lebt ein glückliches Leben - das können Eltern ihren Kindern früh klarmachen und den Grundstein für einen achtungsvollen Umgang mit den Tieren (und der Natur) legen.      

  

 

 

 

   




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