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Unsere Tierschutz-Themen von A-Z

Entenhaltung in Deutschland

Wasser ist ihr Element

Auch Enten werden in Intensivhaltung gemästet. Hauptsächlich importiert Deutschland Entenfleisch aus Ungarn, Polen und Frankreich. In Ungarn und Frankreich ist die Stopfmast nicht verboten, so dass Verbraucher in Supermärkten unweigerlich auch das Fleisch von gestopften und/oder gerupften Enten kaufen.   

Die industriellen Haltungsbedingungen für die Wasservögel, Pekingenten, Moschusenten und Mularden (Kreuzung aus beiden), sind so belastend, dass Mäster durchschnittliche Verlustraten von bis zu 8% des Bestandes hinnehmen müssen. Die Enten haben in der ca. siebenwöchigen Mast keinen Auslauf, keine Bade- oder Beschäftigungsmöglichkeit, leben in drangvoller Enge mit ihren Artgenossen unter schlechten Licht- und Luftverhältnissen auf Gittern Drahtböden und Lattenrosten.

Die Folge sind Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Federpicken, denen die Mäster durch Kürzung der Krallen der mit Nerven durchzogenen Schnäbel zuvorkommen wollen. Die auf schnellen Ansatz von Muskelfleisch angelegte Mast führt u.a. zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schäden an Knochen und Beinen. 

Enten müssen fliegen, schwimmen und tauchen können und stets die Möglichkeit haben, Schnabel und Augen mit Wasser zu befeuchten. Eine artgerechte Haltung, wie sie biologisch ausgerichtete Landwirte und kleinbäuerliche Betriebe in Deutschland praktizieren, geht auf die natürlichen Bedürfnisse der Tiere ein. Hinweise zum Einkauf wie bei Gänsen.

Die natürliche Lebenserwartung von Enten liegt bei 15-20 Jahren. In der Intensivhaltung werden die jungen Enten im Alter von drei bis vier Monaten getötet.

Tipps für Verbraucher:

  • Bei Gänsefleisch immer auf Herkunft und Haltung (ökologische Haltung, extensive Weidehaltung, Freilandhaltung) achten oder sich direkt vor Ort von der Haltung überzeugen (Verkauf ab Hof, Kontakt über Ökoverbände)
  • Bei Einzelteilen (Keule, Brust, Schenkel) ist die Gefahr größer, dass sie von gestopften Tieren stammen. Oft sind die Herkunftsnachweise verschleiert.

 

 

 

Exotenhaltung in Deutschland

Unvorstellbar, aber Realität in Deutschland: Die Haltung von exotischen Tieren, der ausufernde Handel mit ihnen und die Einfuhr von Wildfängen, die der Natur entrissen wurden, ist in Deutschland nicht bundesweit geregelt. Und so kommt es zu der paradox anmutenden Situation, dass u.a. in Baden-Württemberg völlig legal Geparden in Privathaltung leben, Pumas aus illegalen Zuchten an Privat verkauft werden und nicht nur Hunde und Katzen aus schlechten Haltungen beschlagnahmt werden müssen, sondern selbst Wüstenluchse, wie eine Dokumentation von Spiegel TV im Februar 2015 aufdeckte.
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Interview zur Exotenproblematik mit Dr. Styrie

Tiere leiden lebenslang

Die private Haltung von exotischen Tieren reizt viele Menschen. Doch die allerwenigsten vermögen Berberaffe, Python, Panther & Co so zu halten, dass die Tiere nicht leiden – unter ihren engen, unstrukturierten Behältnissen, falschen Licht- und Temperaturreizen, ungeeigneter Ernährung und nicht zuletzt unter den oft sehr mangelhaften Kenntnissen ihrer Besitzer.

Warum schiebt die Bundesregierung dem privaten Erwerb von Exoten nicht einen Riegel vor oder reglementiert zumindest den Verkauf über Tierbörsen und das Internet? Viele Tierschutzorganisationen, unter ihnen der Bundesverband Tierschutz e.V., fordern dies seit langem. 2015 wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium eine Studie in Auftrag gegeben, die die Tierschutzprobleme herausarbeiten sollte, die mit der Haltung und dem Verkauf von Wildtieren verbunden sind. Die EXOPET-Studie, von den Universitäten in Leipzig und München durchgeführt, dauerte mehrere Jahre – und ist zu einem Ergebnis gekommen, das die Tierschutzorganisationen in ihrer kritischen Einschätzung voll bestätigt.

Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz e.V., erklärt, in welchen Bereichen die EXPOPET-Studie dringenden Handlungsbedarf sieht.

Der Tierschutz: Unabhängig von der Studie hat der Deutsche Naturschutzring mit seinen Mitgliedsvereinen aus Tier-, Natur- und Artenschutz ein Positionspapier erarbeitet, das im März 2018 dem Bundeslandwirtschaftsministerium zuging. Das Importverbot von Wildfängen auf EU-Ebene gehört zu den Hauptforderungen der Verbände. Sie haben für den Bundesverband Tierschutz das Positionspapier unterstützt. Wie stehen Sie zu der EXPOPET-Studie?

Dr. Jörg Styrie: Sehr positiv, weil die Studie genau das bestätigt, worauf wir Tierschützer seit langem und immer wieder hinweisen: Eine tierschutz- und artgerechte Haltung ist für die allermeisten exotischen Tiere nicht möglich.  Auch unter Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes sowie der Gesundheit und öffentlichen Sicherheit sind viele Exoten für eine private Haltung völlig ungeeignet.

Wir brauchen klare Regelungen, damit dem immensen Tierleid endlich ein Riegel vorgeschoben wird.

Der Tierschutz: Hauptumschlagplätze für exotische Tiere sind Tierbörsen, die im gesamten Bundesgebiet stattfinden. Welche Empfehlung spricht die Studie aus, um den Verkauf von Wildtieren zu begrenzen?

Dr. Jörg Styrie:  Zunächst fordern die Experten der EXOPET-Studie, dass die bisher gültigen Tierbörsenleitlinien durch eine rechtsverbindliche, bundesweit einheitliche Verordnung ersetzt werden. Nur so können Missstände, die auf den Börsen regelmäßig vorgefunden werden, wirksam geahndet werden.

Und ganz wichtig: Die Experten fordern bei der Ausgestaltung einer Verordnung ein Verkaufsverbot für Wildfänge und für Tiere aus Farmzuchten. Nur kurz zur Begriffserklärung: Wildfänge sind Tiere, die ihrem natürlichen Lebensraum brutal entrissen wurden. Tiere aus Farmzuchten sind Jungtiere, deren Mütter trächtig im Ursprungsland gefangen wurden. Diese in den Zuchtfarmen zur Welt gekommenen Jungtiere werden weiterverkauft und müssen oft lange Transporte erdulden. Die Verlustrate ist hoch, außerdem gewöhnen sich Tiere aus Farmzuchten ähnlich schwer an ihren neuen, artuntypischen Lebensraum.    

Zurück zum angesprochenen Verkaufsverbot: Wir sind äußerst froh über die klare Positionierung, denn die Börsen erweisen sich immer wieder als Umschlagplatz für Wildfänge. Mit einem derartigen Verbot würde der Handel eine empfindliche Einschränkung erfahren. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass der Handel  mit Wildfängen gänzlich zu Erliegen kommt.  

Der Tierschutz: Auch über das Internet werden Wildtiere in großer Zahl vertrieben. Der Gesetzgeber gestattet den regen Online-Handel ohne jedwede Auflagen, selbst anonyme Verkaufsangebote sind gestattet…

Dr. Jörg Styrie: Das ist richtig und aus unserer Sicht natürlich untragbar.  Es kann nicht angehen, dass fast alle Tierarten dieses Planeten ohne jegliche Kontrolle über Online-Plattformen gehandelt werden. Um den „Wildwuchs“ einzudämmen, bedarf es nach Meinung der Verfasser der EXOPET-Studie der Etablierung einer unabhängigen Fachkommission zur kontinuierlichen tierschutzrechtlichen und tierschutzfachlichen Überwachung von Angeboten zu Tieren im Internet.

Ich würde jedoch noch einen Schritt weiter gehen: Es bedarf eines klaren Verbotes des Verkaufs von lebenden Tieren über das Internet. Nicht nur, weil tausende Tiere völlig anonym und ohne jegliche Kontrolle den Besitzer wechseln, sondern weil der Erwerb eines Tieres durch einen Mausklick am Computer die Gefahr in sich birgt, sich spontan und unbedacht ein Tier anzuschaffen, dessen Bedürfnisse an eine artgerechte Haltung schnell unterschätzt werden. Oftmals landen diese Tiere dann in Tierheimen…

Der Tierschutz: In dem DNR-Positionspapier, an dem Sie ja auch mitgearbeitet haben, wird u.a. gefordert, das Artenspektrum im Handel zu beschränken. Werden denn tatsächlich auch im Zoofachhandel so viele exotische Tiere angeboten?

Dr. Jörg Styrie: Leider ja. Das Angebotsspektrum ist unendlich groß. Und was nicht legal über den Ladentisch verkauft werden darf, findet meist über andere Kanäle den Weg zum Kunden. Was ich damit sagen will: Fast jedes Tier ist heutzutage käuflich erwerbbar. Deshalb ist es so notwendig, dass endlich vom Gesetzgeber verbindliche Regelungen geschaffen werden, welche Tiere gehalten werden können oder aus unterschiedlichen Gründen bei Privathaltern nichts zu suchen haben.  Seit Jahren fordern wir diese Positiv- bzw. Negativlisten. Leider wurde diese Forderung, für mich völlig unverständlich, in der EXOPET-Studie nicht aufgenommen.

Der Tierschutz: Wir unterschieden auf Tierbörsen und im Internet Wildfänge, die angeboten werden, und Tiere aus Nachzuchten. Ist es wirklich möglich, ein Löwenbaby zu erwerben, wenn es in Gefangenschaft in Deutschland gezeugt wurde?

Dr. Jörg Styrie: Unfassbar, aber ja. Und noch schlimmer ist, dass viele Bundesländer gar keine gesetzlichen Regelungen erlassen haben, die die private Haltung von exotischen Tieren regeln. In Bayern brauchen Sie zum Beispiel eine Genehmigung, wenn Sie einen Panther, Berberaffen oder anderen Exoten halten wollen. Doch selbst wenn Sie keine Genehmigung beantragt haben, das Tier also illegal halten, droht Ihnen im schlimmsten Fall eine Geldstrafe für diese „Ordnungswidrigkeit“.

Ganz problematisch wird es natürlich dann, wenn das exotische „Haustier“ auch noch gefährlich ist und nicht ausbruchssicher gehalten wird.  Ich denke hier beispielsweise an Giftschlangen. Immer wieder kommt es vor, dass Schlangen entweichen und eine große Gefahr für Leib und Leben nicht nur des Halters, sondern auch anderer Menschen darstellen.

Der Tierschutz: Brauchen denn private Halter keine Sachkunde, wenn sie sich eine Python, einen Skorpion oder eben das Löwenbaby ins Haus holen?

Dr. Jörg Styrie: Bis auf wenige Ausnahmen im Bereich der Haltungsverordnungen von gefährlichen Tieren  einiger Bundesländer benötigen private Tierhalter keinerlei nachgewiesene Sachkunde.  Ein Manko, dass auch die Studie bestätigt. Deshalb fordern die Autoren der EXOPET-Studie einen verpflichtenden Sachkundenachweis für private Tierhalter vor dem Erwerb eines Tieres. In Abhängigkeit von den Haltungsansprüchen der betreffenden Spezies soll der Sachkundenachweis abgestuft sein.

Aus meiner Sicht ein  sehr guter und lange überfälliger Vorschlag, nicht nur weil die Hürde des Sachkundenachweises dazu beitragen kann, Spontankäufe zu unterbinden, sondern weil dadurch auch die häufigsten Haltungsfehler deutlich verringert werden können.  Dieser Forderung der Experten, die notwendige Sachkunde über Online-Kurse zu erwerben bis hin zu praktischen Vor-Ort Fortbildungskursen in Abhängigkeit von der Tierart, begrüße ich ausdrücklich.

Der Tierschutz: Seit 2005 gilt ein EU-Importverbot für Wildvögel. Deutschland müsse nun ein ebensolches Verbot für alle weitere Wildtierarten anbieten, steht in Ihrem gemeinsamen Positionspapier. Denken Sie, dass ein Verbot die illegale Tier-Entnahme aus der Natur unterbinden könnte?

Dr. Jörg Styrie: Ja, das ist der wichtigste Schritt überhaupt. Das Importverbot für Wildvögel hat Millionen Vögeln das Leben gerettet. In gleicher Weise muss auch ein Import- und Handelsverbot aller anderen Wildtiere erlassen werden. Es ist bekannt, dass beim Fang und bei der Zwischenhälterung bereits viele Wildtiere sterben. Hinzu kommen die Tiere, die den Transport, oft über tausende Kilometer unter unsäglichen Bedingungen, nicht überstehen.  Die Verlustraten liegen schätzungsweise bei bis zu 80 Prozent der gefangenen Tiere.

Dies ist umso skandalöser je weniger Tiere der betreffenden Arten noch in freier Wildbahn leben. Mit diesem Raubbau an der Tierwelt muss endlich Schluss sein. Ein Import- und Handelsverbot kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Der Tierschutz: Tatsächlich verstoßen ja nicht nur Halter exotischer Tiere gegen die Haltungsansprüche ihrer oft zur Selbstdarstellung angeschafften Exemplare, sondern auch die Besitzer von Hund, Katze & Co. Wie könnte hier eine Heimtierverordnung Abhilfe schaffen?

Dr. Jörg Styrie: In der Tat finden sich Missstände nicht nur bei der Haltung von Exoten, sondern oftmals auch bei den gängigen Heimtieren wie Hund Katze, Maus etc. Diese vermeintlich leicht zu haltenden Tiere leiden bei Unkenntnis der Halter genauso wie die Exoten. Deshalb ist es so wichtig, dass auch diese Tierhalter bereits im Vorfeld der Anschaffung der Tiere, die notwendige Sachkunde erwerben.

Wir fordern deshalb seit Jahren im Rahmen eines Heimtierschutzgesetzes eine verbindliche Sachkunde. Gewinner gäbe es dann auf beiden Seiten. Zum einen verfügen die zukünftigen Tierhalter über einen Wissenszuwachs, der ihnen bei der Haltung der Tiere zu gute kommt, zum anderen wird durch die erworbene Sachkunde sichergestellt, dass Tieren unnötiges Leid aus Unkenntnis der Tierhalter erspart bleibt.

Der Tierschutz: Glauben Sie, dass die Bundesregierung die Ergebnisse der EXPOPET-Studie zeitnah umsetzt - oder besteht auch hier, wie so oft, die Gefahr, dass die Koalitionäre das Thema aussitzen, bis die Legislaturperiode vorbei ist?

Dr. Jörg Styrie: Mein Pessimismus überwiegt bei dieser Frage. Leider. Denn seit Veröffentlichung der EXOPET-Studie im Frühjahr hüllt sich die Bunderegierung in Schweigen, welche Schlüsse sie nun aus den Ergebnissen der Studie zu ziehen gedenkt.

Würde sie es mit dem Tierschutz so ernst meinen, wie oft verlautet wird, lägen schon die ersten Papiere mit Handlungsanweisungen an alle Akteure auf dem Tisch. Stattdessen nach meiner Kenntnis …gähnende Leere. Und die Zeit läuft davon. Wir werden jedenfalls weiter Druck machen und uns mit allen Kräften für rechtliche Regelungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen nicht nur der exotischen Tiere, sondern auch der herkömmlichen Heimtiere, einsetzen.  

Im Kasten

In jedem Bundesland, in jedem noch so kleinen Ort Deutschlands finden jährlich, monatlich und manchmal sogar wöchentlich Tier- oder Bauernmärkte statt, auf denen lebende Tiere vertrieben werden. Am häufigsten bieten Landwirte, Züchter und Händler Geflügel und Kleintiere an, oft jedoch auch weitere Tierarten wie Kälber, Schafe, Ziegen, Schweine und Kleinpferde. Für Reptilien gibt es bundesweit und über das ganze Jahr verteilt spezielle Börsen, die weltweit größte Veranstaltung ist die Reptilienbörse in Hamm/Westfalen. Nach kritischen Veröffentlichungen über Missstände werden Besucher inzwischen scharf kontrolliert. Das Fotografieren ist streng verboten, damit Bilder von Tieren, die in Kleinstschachteln unter Verkaufstischen gestapelt stehen, nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Neben diesen Verkaufsplattformen unter freiem Himmel, zu dem außerdem noch Fischmärkte (Hamburg etc.) und Pferdemärkte (Havelberg ec.) hinzukommen, bietet in Duisburg der „Zoo Zajac“ 250.000 (!) Tiere in seinen Gewerberäumen an. 3000 Tierarten (!)  werden in dem „größten Tierfach-Geschäft der Welt“ angepriesen, unter ihnen Affen, Würgeschlangen, hochgifte Frösche, Nasenbären, Kaimane, Aras, Kakadus, Präriehunde, Kaimane, Krokodile und selbst ein Faultier. Wenn Küken schlüpfen, dürfen Kinder die Eier in ihren Händen halten und zusehen, wie sich das Neugeborene ins Leben kämpft, und die Kaninchen sind so jung, dass sie noch im beheizten Brutkasten präsentiert werden müssen.

Doch der Gesetzgeber gestattet diesen verwerflichen Ausverkauf der Arten – und so liegt es mehr denn je bei uns, die politisch Verantwortlichen zu mahnen, die Rechte der Tiere nicht mit Füßen zu treten. Bitte helfen Sie uns dabei! Jede Stimme von Ihnen macht uns stärker!

      

   

 

     

 

 

 




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